Wer sich etwas tiefer in der Thema Gamification einarbeiten möchte, tut gut daran, dasnicht nur über Magazin-Artikel und kurze Online-Beiträge zu tun. Eine sinnvolle Bewertung dieses Ansatzes ist eigentlich nur möglich, wenn man sich zumindest über ein paar der wichtigsten psychologischen und spieltheoretischen Ansätze informiert hat.

Ich habe deshalb hier eine kleine Liste der meines Erachtens wichtigsten Bücher zum Thema zusammengestellt. Keine Sorge: die muss man nicht alle – und vor allem nicht alle komplett – gelesen haben. Querlesen genügt bei vielen auch. Und erfreulicherweise sind einige auch ganz unakademisch unterhaltsam.

 

Community Building on the Web
von Amy Jo Kim
Eigentlich der Klassiker zum Thema Gamification, obwohl es das Wort noch nicht gab, als das Buch geschrieben wurde. Sehr lesbar geschrieben mit vielen praktischen Tips dazu, wie man User dazu motivieren kann, sich aktiver an einer Online-Community zu beteiligen.

 

A Theory of Fun for Game Design
von Raph Koster
Immer noch das unterhaltsamste Buch zum Thema mit vielen, manchmal witzigen handgemalten Illustrationen und Cartoons, ebenfalls geschrieben, bevor der Begriff Gamification bekannter wurde. Der Autor argumentiert heute strikt gegen Gamification – gerade deshalb ist das Buch so gut. Es beschreibt, wie erfolgreiche Spiele konzipiert werden, die unterschiedlichsten Arten von Spielern Spaß machen können. Das Buch ist kurz und kurzweilig. Die beschriebenen Prinzipien lassen sich – obwohl für „echte“ Spiele gedacht – 1:1 auf Gamification-Projekte anwenden.

 

Flow
von
Mihaly Csikszentmihalyi
Unbedingt lesen/querlesen. Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen ist Psychologe und hat lange vor Eckhard von Hirschhausen empirisch erforscht, was Menschen glücklich/zufrieden macht. Dabei hat er eine Reihe von Einflussfaktoren identifiziert, die einen Zustand fördern, den er mit Flow bezeichnet – ein totales Aufgahen in einer Tätigkeit. Nicht zufällig sind das extrem wichtige Einflussfaktoren erfolgreicher Spiele. Siehe auch hier.

 

Gamification by Design
von Gabe Zichermann und Christopher Cunningham
Ein ganz frisches Buch, dass eine Art Standardwerk zum Thema sein möchte – dabei aber leider scheitert. Der erste Teil deckt alle wichtigen Grundlagen zum Thema ab. Der zweite Teil ist eine Art “Hands on”, bei dem man eigene Versuche programmieren soll. Dabei wird der Leser über weite Teile mir rohem Ruby-Code konfrontiert, dessen Nutzen bestenfalls zweifelhaft ist. Wegen des ersten Teils trotzdem eingeschränkt empfehlenswert, obwohl die Darstellung und Abfolge der Themen mir auch manchmal recht konfus und wenig didaktisch erschien. (Erscheint im Print erst Sommer 2011. Aktuell nur als eBook erhältlich.)

 

Reality is Broken
von Jane McGonigal
Ein über die Gamification-Gemeinde hinaus momentan vieldiskutiertes Buch. McGonigal lehrt Gamedesign im akademischen Umfeld und vertritt die These, dass Gamification-Techniken genutzt werden können, um einige der großen Herausforderung der Menschheit zu lösen. Das klingt absurd oder zumindest provokant. Tatsächlich sind (internet-basierte) Gamification-Taktiken aber gut dafür geeignet, die Zusammenarbeit großer Gruppen von räumlich getrennten Menschen zu koordinieren und zu lenken. Food for Thought!

 

DAEMON und Freedom (TM)(deutsch DARKNET)
von Daniel Suarez
Ein Doppelroman (aber auch getrennt gut lesbar) über eine Verschwörung, die vom einem reichen – und toten! – Unternehmer und Spieleentwickler ins Leben gerufen wird. Gelenkt wird diese Organisation von einem autonomen Softwareprogramm, das nach seinem Tod aktiv wird. Die von diesem Programm ins Leben gerufene Untergrundorganisation wird durch raffinierte Gamification-Techniken gelenkt. Eine sehr interessante Illustration von Real-World-Gamification (siehe auch Reality is broken) aber auch unabhängig davon als spannender und handwerklich gut gemachter Thriller lesbar. Siehe auch hier.

 

Drive: Was Sie wirklich motiviert
von Dan Pink
Ein Buch, dass auf den ersten Blick rein gar nichts mit Gamification zu tun hat – auf den zweiten aber sehr viel. Dan Pink, ein ehemaliger Redenschreiber von Al Gore, legt einige erstaunliche Fakten zum “Mythos Motivation” vor. Er räumt auf mit dem festverwurzelten Glauben, Menschen für komplexe Aufgaben mit extrinsischen Faktoren motivieren zu können (zum Beispiel mit Geld und/oder anderen simplen Belohnungen). Leicht verdaulich geschrieben und gerade in Kombination mit A Theory of Fun und Community Building on the Web eine phantastische Grundlage für intelligente Gamification-Taktiken mit nachhaltiger Wirkung. Ich würde das Buch gerne den Anhängern der mechanischen Gamification (wie in weiten Teilen von Gamification by Design vertreten) auf den Nachtisch legen.

 

Spiele der Erwachsenen (Games People Play)
von Eric Berne
Das Standardwerk zu „Spielen“, die wir im Alltagsleben spielen (Erstauflage 1964). Eric Berne ist von Hause aus Psychiater und hat in den späten 50ern und 60ern erstaunliche Erkenntnisse darüber zu Tage gebracht, wie stark unsere ganz alltägliche Interaktion mit anderen Menschen von unausgesprochenen Spielen/Spielregeln kontrolliert wird. Die Beispiele, mit denen das illustriert wird, sind aufgrund des Alters dieses Klassikers oft amüsant. Die Gesellschaft hat sich in den letzten 50 Jahren halt schon verändert. Die Prinzipien und spielerischen Grundlagen sozialer Interaktion sind aber zeitlos. Das Buch ist besonders interessant in Kombination mit „Reality is broken“ (siehen oben).

 

So, das sollte jetzt aber an Lesestoff für ein paar Sommerabende reichen.

 

 

 

2 Responses to Literaturliste zum Thema Gamification

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