Gestern habe ich kurz beschrieben, warum ich Gamification-Taktiken für geradezu ideal halte, um einige der schlimmsten Mängel des klassischen Schulsystems anzugehen. Für mich war es ein echter Eye-Opener darüber nachzudenken – und ich denke, dass dieser Ansatz tatsächlich nicht nur für die “Schule” geeignet ist, sondern auch für andere Formen der Aus- und Weiterbildung.
Mit dieser Ansicht bin ich nicht allen und meine Erkenntnis ist nicht neu :) Das fiel auch schon vor längerer Zeit einigen Pädagogen, Spieldesigner und ein paar Mäzenen – vorwiegend aus der IT-Industrie – auf. Und so entstand das Projekt Quest to Learn (kurz q2l).

Quest to Learn ist eine offizielle Schule in New York, die von den Motivationsmechismen (Spielmechaniken) guter Computer-Spiele durchdrungen ist. Momentan gibt es nur zwei Jahrgangsstufen, die sechste und siebte Klasse des US-amerikanischen Schulsystems, aber weitere Klassen werden ergänzt, während die Kinde älter werden. Wer befürchtet, dass die Kinder hier den ganzen Tag Computerspiele daddeln, liegt falsch.
It is important to note that Quest is not a school whose curriculum is made up of the play of commercial videogames, but rather a school that uses the underlying design principles of games to create highly immersive, game-like learning experience.
Um weitere Zweifel auszuräumen genügt es, sich einmal die Website anzusehen, insbesondere die Seiten mit dem pädagogischen Gesamtkonzept und dem Curriculum.
Hier nur einmal die Auflistung der Core Principles
- Learning for design and innovation
- Learning for complexity (systemic reasoning)
- Learning for critical thinking, judgment and credibility
- Learning using a design methodology
- Learning with technology and smart tools
- Prep for college and the world of work
Dass das “wichtigste” Ziel klassischer Schulen als allerletztes genannt wird, ist natürlich Absicht und geschieht quasi mit ausgestreckter Zunge. Schüler, denen die ersten 5 „Principles“ vermittelt wurden, sind sicherlich ausgezeichnet für weiteres selbständiges Lernen – und die Arbeitswelt – qualifiziert.
Wer sich die Website und die wissenschaftlichen Berichte über Quest to Learn ansieht, dem wird übrigens rasch auffallen, dass die Wörter „Game“ oder „Gamification“ selten verwendet werden. Das hat zum einen sicher auch damit zu tun, dass man den mit Spielen verbundenen Reputationsverlust scheut. Hauptsächlich liegt es aber daran, dass es für die Menschen hinter diesem Projekt einfach selbstverständlich ist, diese Mechanismen einzusetzen, weil sie wissen, dass die Wissensvermittlung und der Erwerb von Fähigkeiten auf diesem Weg am effektivsten stattfindet.
Es würde zu weit führen, die dort angewandten Konzepte hier alle zu beschreiben. Wer sich dafür interessiert sollte am besten die Website besuchen und nach q2l bzw „quest to learn“ googeln. Hier schon einmal ein paar der besten Links:
http://www.instituteofplay.org/work/projects/quest-to-learn
http://insideschools.org/?fs=1945&all=y
http://edlab.tc.columbia.edu/index.php?q=node/2585
Und zwei Videos von Katie Salen, dem Mastermind hinter dem Projekt
Ich weiß, dass ich zu Enthusiasmus neige, aber nachdem ich diese Artikel gelesen habe, habe ich ernsthaft einen Moment darüber nachgedacht, nach New York auszuwandern, um meinem Sohn die Chance zu geben, an einer Schule zu lernen, die wirklich für das 21. Jahrhundert konzipiert wurd.
